Meta Beschreibung:
Wir Menschen sind komplexe Wesen, oft im Widerspruch zu uns selbst. Ben Goertzel enthüllt die evolutionären und zivilisatorischen Wurzeln unserer inneren Konflikte und zeigt, wie Kreativität und Fortschritt daraus entstehen – und wie wir uns auf eine Zukunft mit KAGI vorbereiten können.
Blog Artikel zu Kapitel 5 aus
The Consciousness Explosion von Dr. Ben Goertzel
Der innere Kampf: Warum die Entwicklung von KAGI so verdammt schwierig ist (und warum es an uns liegt)
Wir alle kennen das Gefühl: Man arbeitet an etwas Großem, etwas Revolutionärem – wie der Entwicklung einer Künstlichen Allgemeinen Intelligenz (KAGI), die die Welt verändern könnte – und dann? Dann kommt diese verdammte menschliche Psychologie dazwischen! Forscher, die an ihren eigenen Ideen kleben wie Ameisen am Honigtopf, Investoren, die kurzsichtige Entscheidungen treffen, und eine Gesellschaft, die lieber über die neuesten Eskapaden von Prominenten diskutiert, als sich mit den existenziellen Chancen und Risiken der Zukunft auseinanderzusetzen. Es ist zum Verrücktwerden! Manchmal scheint der Weg zu einer wunderbar wohlwollenden KAGI zum Greifen nah, und doch stellen wir uns selbst immer wieder ein Bein.
Aber – und das ist ein großes, leuchtendes ABER – genau diese menschliche Psychologie, dieses komplexe, oft widersprüchliche soziale System, hat uns überhaupt erst an den Punkt gebracht, an dem wir von einer solchen KAGI träumen und praktische Wege zu ihrer Verwirklichung entwickeln können. Diese Dichotomie, diese Fähigkeit, sowohl Fortschritt voranzutreiben als auch zu behindern, ist ein roter Faden, der sich durch nahezu jeden Bereich menschlichen Strebens zieht.
Ben Goertzel nimmt uns in Kapitel 5 seines Buches „The Consciousness Explosion“ mit auf eine ungeschönte Reise in die Tiefen unserer eigenen Psyche. Er argumentiert, dass die Wurzel vieler unserer modernen Probleme – von der ungleichen Verteilung revolutionärer medizinischer Fortschritte bis hin zur Schwierigkeit, globale Krisen gemeinsam zu bewältigen – in unserer komplexen, oft „verdrehten“ menschlichen Natur liegt. Doch genau aus dieser Verdrehtheit, aus diesen inneren Konflikten, erwächst auch unsere größte Stärke: unsere Fähigkeit zur Kreativität, zur Anpassung und zum Fortschritt.
Die zwei Quellen unserer inneren Zerrissenheit: Evolution vs. Zivilisation
Goertzel identifiziert zwei Hauptquellen für unsere innere Komplexität und unsere Neigung zur „Verdrehtheit“:
- Der evolutionäre Konflikt: Individuum gegen Gruppe (E.O. Wilson lässt grüßen)
Tief in unserem Genom ist ein fundamentaler Konflikt verankert, ein Erbe unserer evolutionären Vergangenheit. Wie der berühmte Biologe E.O. Wilson in „Die soziale Eroberung der Erde“ darlegte, wurde unser Erbgut durch zwei konkurrierende Selektionsdrücke geformt:- Individuelle Selektion: Diese hat Gene begünstigt, die unseren persönlichen reproduktiven Erfolg maximieren. Einfach gesagt: Sie treibt uns an, egoistisch zu sein und unsere eigenen Interessen (und die unserer engsten Verwandten) über die anderer zu stellen.
- Gruppenselektion: Diese hat Gene begünstigt, die den Erfolg unserer Stämme und Gemeinschaften maximieren. Sie treibt uns an, altruistisch zu sein, uns für die Gruppe aufzuopfern und kooperativ zu handeln.
- Der zivilisatorische Bruch: Das Unbehagen in der Kultur (Sigmund Freud nickt zustimmend)
Als ob dieser evolutionäre Konflikt nicht schon genug wäre, kam mit der Entstehung der Zivilisation eine zweite Quelle der Verdrehtheit hinzu. Sigmund Freud argumentierte in seinem klassischen Werk „Das Unbehagen in der Kultur“, dass der Übergang von nomadischen Jäger-Sammler-Gesellschaften zu sesshaften, komplexen Zivilisationen einen tiefen Bruch in der menschlichen Psyche verursacht hat.- Indigene Harmonie (relativ gesehen): In kleineren, indigenen Gemeinschaften, so Freud und auch modernere Beobachter wie Daniel Everett oder Louis Sarno, gab es oft ein subtileres Gleichgewicht zwischen individuellen Bedürfnissen und Gruppeninteressen. Die direkte Abhängigkeit voneinander führte zu einer natürlicheren Harmonie. Emotionen konnten freier ausgedrückt werden, ohne die Verdrängung und die daraus resultierenden Neurosen, die die zivilisierte Gesellschaft prägen.
- Zivilisatorische Entfremdung: In größeren, anonymen Zivilisationen wird diese Balance gestört. Die Verbindung zwischen individuellem und Gruppenwohl wird sprunghafter und weniger direkt. Was gut für „die Gesellschaft“ (oder den Staat, oder die Wirtschaft) ist, ist nicht unbedingt gut für das Individuum – und umgekehrt. Dies führt zu ständigen Konflikten, Entfremdung und dem Gefühl, dass wir unsere wahren Wünsche unterdrücken müssen, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen.
Die Folgen: Lügen, Masken und die Zersplitterung des Selbst
Diese doppelte Zerrissenheit – der evolutionäre Konflikt und der zivilisatorische Bruch – hat tiefgreifende Auswirkungen darauf, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen und wie wir in der Welt agieren.
- Die Kunst der Selbsttäuschung: Um mit diesen widersprüchlichen Anforderungen umzugehen – egoistisch und altruistisch, angepasst und authentisch zu sein –, entwickeln wir eine erstaunliche Fähigkeit zur Selbsttäuschung. Wir konstruieren Selbstmodelle, die voller Lügen und Beschönigungen sind, um den Schmerz zu vermeiden, der aus der Erkenntnis unserer eigenen Unzulänglichkeiten und Widersprüche entstehen würde. Wir erzählen uns Geschichten darüber, wer wir sind und warum wir tun, was wir tun – Geschichten, die oft mehr mit Wunschdenken als mit der Realität zu tun haben.
- Masken und Teilselbste: In komplexen Zivilisationen, so Goertzel in Anlehnung an Nietzsche, legen wir systematisch „Masken“ an, um in verschiedenen sozialen Kontexten zu funktionieren. Wir lernen, uns zu Hause anders zu verhalten als in der Schule oder bei der Arbeit. Mit der Zeit integrieren sich diese Masken so sehr in unsere Persönlichkeit, dass sie zu Teilselbsten mit eigenen Wünschen, Ängsten und Werten werden. Unsere Psyche wird zu einem komplexen Mosaik, einem „Mélange von Teilselbsten“, die oft im Widerstreit miteinander liegen.
- Die Zersplitterung von Ich und Über-Ich: In Freudschen Begriffen führt die Zivilisation zu einer Spaltung zwischen dem „Ich“ (unserem bewussten, oft an indigene Gesellschaften angepassten Selbst) und dem „Über-Ich“ (den internalisierten Normen und Erwartungen der zivilisierten Kultur). Wir werden innerlich dazu gedrängt, diesen Konflikt auf eine bestimmte Weise auszubalancieren, während wir gleichzeitig das Gefühl haben, ihn auf eine andere Weise ausbalancieren zu „sollen“.
Die überraschende Konsequenz: Kreativität und Fortschritt aus der Verdrehtheit
Das mag alles ziemlich düster klingen. Doch Goertzel betont einen entscheidenden Punkt: Genau diese Verdrehtheit, dieser innere Konflikt, ist auch die Quelle unserer größten Stärken – unserer Kreativität, unserer Anpassungsfähigkeit und unseres unaufhörlichen Strebens nach Fortschritt.
- Der Motor der Innovation: Der Kampf gegen gesellschaftliche Zwänge, die Spannung zwischen individuellen Wünschen und Gruppenbedürfnissen, hat uns dazu angetrieben, Sprache, Werkzeuge, Kunst und Wissenschaft zu entwickeln. Gossip, eine der frühesten Formen komplexer Sprache, ist im Wesentlichen ein Produkt von Selbst-Gruppe-Spannungen. Erfindungen entstehen oft aus dem „verrückten“ Denken Einzelner, die sich gesellschaftlichen Normen widersetzen.
- Die Geburt der Zivilisation: Die Zivilisation selbst ist aus dieser Spannung hervorgegangen. Indigene Gruppen, die Landwirtschaft und Domestizierung entwickelten, erlangten einen Überlebensvorteil. Innerhalb dieser Gruppen entstanden dann durch individuelles Streben Märkte, Schulen und komplexe soziale Strukturen. Dieser Prozess war und ist ein ständiges Wechselspiel zwischen individueller Initiative und kollektiver Anpassung, zwischen Rebellion und Konformität.
- Die unaufhaltsame Evolution: Diese Dynamik setzt sich bis heute fort. Von Datenschutzdebatten über soziale Medien bis hin zu Open-Source-Bewegungen und der Philanthropie von Milliardären – die Harmonisierung individueller und Gruppenmotivationen bleibt ein zentrales Thema unserer Zeit.
Jenseits des alten Selbst: Ziele für eine Post-Singularitäts-Psyche
Was bedeutet all dies nun für die Zukunft, insbesondere für eine Post-Singularitäts-Ära, in der wir möglicherweise unsere biologischen und psychologischen Grenzen radikal transzendieren? Wenn wir die inneren Konflikte, die uns heute plagen, hinter uns lassen, was wird uns dann antreiben?
Goertzel spekuliert, dass, sobald die alten Motive von Ego und Status in den Hintergrund treten, tiefere menschliche Antriebe in den Vordergrund rücken werden: der Drang zu entdecken, zu erschaffen und zu verstehen. Diese Antriebe – nach Mustern, Schöpfung und Information – sind fundamentaler und universeller als die spezifischen Konflikte unserer menschlichen Natur. Sie sind im Gewebe des Kosmos selbst verankert.
Wenn heutige spirituell fortgeschrittene Menschen, die Ego und Status bereits weitgehend transzendiert haben, oft keine komplexen pragmatischen Ziele verfolgen, mag das an den energetischen Kosten liegen, einen friedvollen Geisteszustand innerhalb der Grenzen der menschlichen Gehirnarchitektur aufrechtzuerhalten. Sobald diese Grenzen durch technologische Erweiterungen flexibel und veränderbar werden, könnte es möglich sein, tiefe Glückseligkeit und eifriges Streben nach Wissen und Schöpfung zu vereinen.
Der Ruf zum bewussten Wandel: Deine Rolle in der Bewusstseinsexplosion
Die Botschaft von Kapitel 5 ist klar und eindringlich: Wir sind komplexe, oft widersprüchliche Wesen, geformt durch eine lange Geschichte evolutionärer und zivilisatorischer Kräfte. Diese Komplexität ist sowohl unsere größte Schwäche als auch unsere größte Stärke.
Wenn wir eine positive Technologische Singularität und eine damit einhergehende Bewusstseinsexplosion gestalten wollen, müssen wir uns dieser inneren Dynamik stellen. Es reicht nicht aus, nur die „richtigen“ Technologien zu entwickeln. Wir müssen auch die „richtigen“ Bewusstseinszustände kultivieren – sowohl individuell als auch kollektiv.
Es mag ein hoher Anspruch erscheinen, unsere tief verwurzelten „Verdrehtheiten“ zu transzendieren. Aber Goertzel ist optimistisch. Wir haben das Potenzial dazu. Der Weg führt über Selbstwahrnehmung, Mitgefühl, die Bereitschaft, unsere eigenen Lügen und Illusionen zu hinterfragen, und den Mut, uns auf neue, erweiterte Bewusstseinszustände einzulassen. Es geht darum, die inneren Konflikte nicht als unüberwindbare Hindernisse zu sehen, sondern als Katalysatoren für Wachstum, Freude und Schöpfung jenseits der Beschränkungen des alten, selbsttäuschenden Selbst.
Die Bewusstseinsexplosion ist nicht nur ein technologisches Ereignis; sie ist eine Einladung zur tiefsten Form menschlicher Transformation. Bist du bereit, die Reise anzutreten?
KI Hinweis:
Dieser Blog-Artikel ist eine ausführliche Zusammenfassung und Interpretation von Kapitel 5 des Buches „The Consciousness Explosion“, basierend auf dem von Cosmo Kaan bereitgestellten Text und erweitert, um eine größere Tiefe und den intendierten Stil zu erreichen. Er wurde mithilfe von KI-Werkzeugen zur Textextraktion und Formulierungshilfe erstellt.


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