Jenseits von BIP und Bullshit: Warum unser Wirtschafts-Kompass für das Zeitalter der KI kaputt ist

Meta-Beschreibung:

Unsere Wirtschaftsindikatoren versagen kläglich dabei, den wahren Wert von KI und der Singularität zu erfassen. Entdecke, warum Konzepte wie „Produktivität“ bedeutungslos werden und wie die Messung der „Katalyse des Wohlbefindens“ unser Verständnis von Fortschritt revolutionieren könnte.

Blog Artikel zu Kapitel 15 aus
The Consciousness Explosion von Dr. Ben Goertzel

Die Ökonomie, oft als die „trostlose Wissenschaft“ verspottet, steht vor ihrer größten existenziellen Krise. Während wir am Abgrund der technologischen Singularität stehen, einer Ära, die von künstlicher allgemeiner Intelligenz (AGI) und unvorstellbarem Fortschritt geprägt sein wird, verwenden wir immer noch Messinstrumente aus dem Industriezeitalter. Wir starren auf Diagramme zur „Arbeitsproduktivität“, die eine Stagnation andeuten, während um uns herum eine Revolution von beispiellosem Ausmaß stattfindet.

Dieser Widerspruch ist der Kern von Kapitel 15 in „The Consciousness Explosion“. Es ist eine tiefgreifende Anklage gegen die Art und Weise, wie wir über Wert, Wachstum und Fortschritt denken. Die zentrale These ist so einfach wie radikal: Unser Wirtschafts-Kompass ist kaputt. Er misst die falsche Landschaft. Und wenn wir ihn nicht neu kalibrieren, riskieren wir, blind in die wichtigste Transformation der Menschheitsgeschichte zu stolpern.

Das Thermometer, das in einem Schneesturm „lauwarm“ anzeigt

Stellen Sie sich vor, Sie versuchen, die Komplexität eines Ökosystems zu verstehen, indem Sie nur das Gewicht der Bäume messen. Sie würden die symbiotischen Beziehungen, die Artenvielfalt, die Gesundheit des Bodens und den gesamten Kreislauf des Lebens ignorieren. Genau das tun wir mit unserer Wirtschaft.

Das Problem beginnt mit unseren grundlegendsten Konzepten. Nehmen wir „Wirtschaftswachstum“, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wir behandeln diese Zahl, als wäre sie ein in Stein gemeißeltes Naturgesetz. Aber sie ist ein Artefakt, ein Konstrukt, das in einer Welt physischer Güter geschaffen wurde und in der heutigen Informationswirtschaft zunehmend an Bedeutung verliert.

Die Schwierigkeit liegt in der Messung der „Produkteinheit“. Vor fünfzig Jahren war es relativ einfach, die Produktivität einer Autofabrik zu messen: Man zählte die Anzahl der Autos, die pro Arbeitsstunde vom Band liefen. Aber wie vergleicht man ein Ford Model T mit einem Tesla? Der Tesla ist nicht nur ein „besseres Auto“; er ist eine völlig andere Entität – ein Computer auf Rädern, ein Knotenpunkt in einem globalen Netzwerk.

Ökonomen versuchen, dieses Problem mit „hedonischen Qualitätsanpassungen“ zu umgehen – einem schicken Begriff für einen „Fudge-Faktor“. Sie versuchen zu schätzen, wie viel „wertvoller“ ein moderner 4K-Fernseher im Vergleich zu einem Röhrenfernseher aus den 1980er Jahren ist. Aber diese Schätzungen basieren auf Preissignalen aus einem Markt, der selbst von unzähligen kulturellen und strukturellen Faktoren beeinflusst wird. Es ist ein Versuch, die Subjektivität menschlichen Wertes in eine objektiv aussehende Zahl zu zwingen. Es ist eine methodische Krücke, die uns vormacht, wir würden etwas Präzises messen, während wir in Wirklichkeit im Nebel stochern.

Diese Messproblematik führt zu einer bizarren Debatte. Auf der einen Seite stehen Ökonomen wie Robert Gordon, die behaupten, die großen Wachstumsschübe seien vorbei. Für sie waren die Elektrifizierung und der Verbrennungsmotor die wahren Revolutionen, und das Internet ist im Vergleich dazu nur „kleines Kartoffel“. Auf der anderen Seite stehen Visionäre wie Robin Hanson, die auf der Grundlage von Extrapolationen historischer Trends vorhersagen, dass die AGI ein jährliches Wirtschaftswachstum von 45 % oder mehr auslösen wird – eine Verdopplung des globalen Wohlstands alle zwei Jahre.

Was, wenn beide auf ihre Weise Recht und Unrecht haben? Was, wenn das exponentielle Wachstum real ist, aber einfach nicht mehr in den Zahlen auftaucht, die wir messen?

Die unsichtbare Wirtschaft: Der Aufstieg des Unquantifizierten

Die eigentliche Revolution findet nicht in den Bilanzen von Unternehmen statt, sondern im unquantifizierten Austausch von Werten. Dies ist der blinde Fleck der traditionellen Ökonomie. Wir bewegen uns von einer Wirtschaft physischer Güter zu einer Wirtschaft informationeller, sozialer und erfahrungsbasierter Güter.

Betrachten wir die Säulen der modernen technologischen Innovation:

arXiv.org: Wissenschaftler veröffentlichen ihre neuesten Forschungsarbeiten kostenlos, für jeden auf der Welt zugänglich. Dies beschleunigt die wissenschaftliche Innovation in einem atemberaubenden Tempo. Der Wert, der hier geschaffen und ausgetauscht wird, ist immens, aber er taucht in keiner BIP-Statistik auf.

GitHub: Programmierer auf der ganzen Welt arbeiten gemeinsam an Open-Source-Software, die die Grundlage für Billionen-Dollar-Industrien bildet. Auch hier wird massiver Wert ohne direkten monetären Austausch geschaffen.

Soziale Medien: Milliarden von Menschen tauschen Informationen, Emotionen und soziale Verbindungen aus. Sie zahlen mit ihren Daten und ihrer Aufmerksamkeit, aber der Kern des Austauschs bleibt unquantifiziert.

Wir sind Zeugen der Entstehung eines „Angebotsnetzwerks“ im globalen Maßstab. In diesem Netzwerk bieten Menschen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen im Austausch für die Fähigkeiten und das Wissen anderer an, oft indirekt und ohne die Notwendigkeit eines Preisschilds. „Ich helfe dir bei deinem Code, wenn jemand anderes mir hilft, einen Baumstamm aus meiner Einfahrt zu entfernen.“ Dies ist eine Wirtschaft, die auf Vertrauen, Reputation und gegenseitigem Nutzen basiert – nicht auf Geld.

Während dieser riesige, unquantifizierte Sektor der Wirtschaft explodiert, wird der quantifizierte Teil, den wir messen, relativ gesehen immer kleiner. Das Verfolgen von Geldflüssen wird zu einer immer ungenaueren Methode, um den wahren Zustand und das Wachstum der menschlichen Zivilisation zu verstehen.

Ein neuer Kompass: Von der Produktivität zur Katalyse des Wohlbefindens

Wenn unser altes Messinstrument kaputt ist, brauchen wir ein neues. Anstatt zu versuchen, eine fiktive „Produktivität“ zu messen, sollten wir uns auf das konzentrieren, was wirklich zählt: das menschliche Wohlbefinden.

Anstatt zu fragen: „Wie viele Einheiten eines Produkts werden pro Stunde hergestellt?“, sollten wir fragen: „Wie sehr katalysiert dieses Produkt oder diese Dienstleistung das Wohlbefinden seiner Nutzer?“

Das mag auf den ersten Blick noch nebulöser klingen, aber wir haben bereits die Werkzeuge, um damit zu beginnen. Die Psychologie hat in den letzten Jahrzehnten robuste, wenn auch nicht perfekte, Instrumente zur Messung des subjektiven Wohlbefindens entwickelt. Man denke an Skalen wie die „Satisfaction with Life Scale“ oder das „PERMA Profiler Questionnaire“, das positives Gefühl, Engagement, Beziehungen, Sinn und Leistung misst.

Stellen Sie sich ein System vor, in dem wir diese Art von kombinierten Wohlbefindensumfragen verwenden, um die Auswirkungen von Produkten und Dienstleistungen auf das Leben der Menschen zu bewerten. Wir könnten statistisch ableiten, wie sehr eine neue App, eine medizinische Behandlung oder sogar ein Unterhaltungsprodukt das Wohlbefinden verschiedener Bevölkerungsgruppen erhöht oder verringert.

Wir würden von der „Produktivität des Wohlbefindens“ zur „Katalyse des Wohlbefindens“ übergehen. Ein Produkt „produziert“ kein Wohlbefinden; es schafft die Bedingungen, unter denen Wohlbefinden entstehen und gedeihen kann. Es katalysiert eine positive Entwicklung im Leben eines Individuums.

Ein solcher Ansatz würde uns nicht nur aussagekräftigere „hedonische Korrekturen“ für unsere alten Wirtschaftsmodelle geben. Er würde die gesamte Debatte verändern. Er würde uns zwingen, die Tatsache anzuerkennen, dass ein großer Teil unserer modernen Wirtschaft das menschliche Wohlbefinden aktiv *verringert*.

Die Politik des Wohlbefindens

Die Einführung einer solchen Metrik hätte tiefgreifende politische Implikationen. Wenn wir systematisch messen könnten, welche wirtschaftlichen Aktivitäten das kollektive Wohlbefinden fördern und welche es untergraben, könnten wir beginnen, politische Entscheidungen zu treffen, die auf diesem Wissen basieren.

Dies ist keine radikale Utopie. Es ist die logische Erweiterung der gleichen Philosophie, die uns zu öffentlicher Bildung, Nationalparks und öffentlicher Gesundheitsversorgung geführt hat. Es ist die Anerkennung, dass der Zweck einer Wirtschaft nicht darin bestehen sollte, eine abstrakte Zahl namens BIP zu maximieren, sondern darin, die Bedingungen für ein blühendes menschliches Leben zu schaffen.

Wir könnten beginnen, kollektive Ressourcen gezielt in Sektoren zu lenken, die nachweislich das Wohlbefinden katalysieren, und weg von denen, die Sucht, Angst und soziale Spaltung fördern.

Fazit: Die glorreiche Unordnung annehmen

Am Ende des Tages ist der Vergleich qualitativ unterschiedlicher Dinge – sei es eine Kultur der Steinzeit mit dem modernen China oder ein Fernseher von 1980 mit einem von 2024 – von Natur aus schwierig und unordentlich. Die traditionelle Ökonomie hat versucht, diese Komplexität zu ignorieren, indem sie eine falsche Konsistenz durch quasi-bedeutungslose Metriken aufzwingt.

Vielleicht ist die Lektion hier, dass wir aufhören sollten, uns nach einfachen Antworten zu sehnen. Genauso wie wir offene AGI-Systeme brauchen, die nicht auf die Maximierung einer einzigen Belohnungsfunktion beschränkt sind, brauchen wir eine soziale und wirtschaftliche Verwaltung, die auf Vorstellungen von offenem Wachstum und autopoietischer Selbsterschaffung basiert.

Wir brauchen eine neue Wissenschaft – eine „Wissenschaft der globalen Gehirnologie“, wie das Buch es nennt –, die die Komplexität und die unquantifizierbaren Dynamiken unserer vernetzten Welt annimmt. Ob diese Wissenschaft zuerst von Menschen oder von den AGIs, die wir schaffen, entwickelt wird, bleibt abzuwarten. Aber eines ist klar: Der erste Schritt besteht darin, zuzugeben, dass unser alter Kompass uns nicht mehr den Weg weisen kann. Es ist an der Zeit, einen neuen zu bauen, der auf das ausgerichtet ist, was wirklich zählt: den menschlichen Zustand selbst.

KI-Hinweis:

Dieser Blogartikel wurde auf Basis von Kapitel 15 des Buches „The Consciousness Explosion“ verfasst. Die Gliederung, inhaltliche Strukturierung und der finale Text wurden von einer KI erstellt, um die Kerngedanken des Kapitels in einem neuen Format zu präsentieren und zu analysieren.

Beitrag zu Kapitel 16 hier